Distanzunterricht

Juan Pelicó, der Direktor unserer Schule, berichtet:

Wichtig ist die Feststellung, dass Teodoro (= Gründungsvater unserer Schule) der erste war, in dessen   Familie sich die Situation verändern konnte, weil die meisten seiner Kinder bis jetzt selbst keine Kinder haben. Alle haben einen guten Job, vier von ihnen befinden sich in den USA.

Ich rede hier von „Familie“, weil in Guatemala die Überbevölkerung eines der größten  Probleme ist. Sie ist der Grund für die so große Armut. Viele haben einen Beruf erlernt, aber es gibt keine Arbeit.

Viele Schüler von FUNIGA sind in die USA ausgewandert, weil sie nach dem Schulabschluss die Kosten für die Universität nicht zahlen können. Sie mögen in jedem Fall eine akademische Laufbahn einschlagen, aber sie bekommen keine Anstellung. Die Situation ist sehr kompliziert.

Den jungen Leute, die emigriert sind, ist es gelingen, Geld für ihre Familien zu verdienen. Die Kosten für die (illegale) Emigration liegen bei Q 100.000,- bis Q 120.000,- (= ca. 11.-  bis 13.000, -€)

Was die Pandemie betrifft, so hat sich die Situation in unserem Land in allen Bereichen verschlechtert, besonders im Schulbereich, weil die Schüler keinen Präsenzunterricht haben. Distanzunterricht ist nicht möglich, weil die Familien keinen PC und kein Internet haben. Die Kosten dafür können sie nicht aufbringen, weil die Einkommen der Familien sehr gering sind. Das hat dazu geführt, dass viele Kinder nicht mehr zur Schule gehen und arbeiten gehen. Im Unterschied dazu unterrichten wir bei FUNIGA jeden Tag. Wir riskieren bestraft zu werden, aber trotzdem sind alle Lehrer glücklich, sie sind bei guter Gesundheit und sind täglich in ihren Klassen.

In den meisten Gemeinden benutzen die Leute bei Beerdigungen, Hochzeiten, religiösen Feiern, Märkten und Zusammenkünften mit anderen keine Masken. In Chocruz nur dann, wenn sie unsere Schule besuchen, weil ihnen sonst der Zugang verwehrt wird.

In den Nachrichten wird uns mitgeteilt, dass die Krankenhäuser kollabieren. Was die Impfung betrifft, so geht es viel zu langsam. Vielleicht haben 20 Prozent die erste Impfung. Man stelle sich vor, wann sie mit der ersten Impfung fertig sind, geschweige denn mit der zweiten!

FUNIGA verfügt über alle Mittel der Prävention: Alkohol zur Desinfektion, antibakterielle Gels, Thermometer, Wasser, abwischbare Schulmöbel, Hausmeister, Wachs zur Desinfektion der Fußböden, Wechsel der Schuhe vor Eintritt ins Schulgebäude, ständige Reinigung. Vor allem ist wichtig, dass uns immer die Geldmittel aus Deutschland zur Verfügung stehen, um alle Materialien anschaffen zu können.

In den staatlichen Schulen gibt es keinen Präsenzunterricht, nur Arbeitsblätter werden ausgeteilt. Manche halten telefonisch Kontakt, andere arbeiten virtuell. Jetzt haben sie in den höheren Schulen digitalen Unterricht, aber die Kosten sind sehr hoch. Zum Beispiel zahlen wir für unsere Tochter Yari, die in Quezaltenango ein privates Gymnasium (virtuell) besucht, 1000,- Quetzales (ca. 106 Euro). Zum Glück hat sie zuhause jeden Tag Internetzugang. Im Schulgelände bzw. auf dem Schulcampus ist das Internet aber aus vielen Gründen außer Betrieb.