Edgar

Edgar Eduardo Catro Ajxup, 4.Kl., Ältester von 2 Brüdern, mein Vater Martin Castro Tzoy und mein jüngster Bruder leben in  der Stadt Sololá, ca.70 km von hier entfernt. Er will, dass ich bei ihm einziehe, aber ich will nicht, weil er mich bestimmt in seinem Laden arbeiten lässt. Meine Mutter Paulina Ajxup Pelicó, bei der ich wohnte, traf einen jüngeren Mann, den sie heiratete wieder. Ich besuche sie dort ab und zu, es ist nicht weit weg von hier. Ich fahre manchmal mit dem Bus, um mit ihr und ihren neuen Kindern ein wenig zusammen zu sein. Sonntags fahre ich zurück, weil ich in der Stadt Eis verkaufen muss. Ich komme nicht oft, weil man Geld braucht und ich nicht immer die Hin- und Rückfahrt bezahlen kann. Ich lebe jetzt bei meinen Großeltern, sie kümmern sich sehr gut um mich, obwohl ich manchmal meine Mutter und meinen Vater vermisse.

Edgar mit seinen Großeltern

Meine Großeltern sind recht alt. Sie müssen auf dem Feld  arbeiten um Mais anzubauen. Auch säen sie Bohnen und Ayote. Wir bewahren es auf und  essen es das ganze Jahr über. Manchmal macht meine Großmutter Garne für Schneiderzuschnitte. Sie kümmert sich um das Essen für uns. Manchmal muss ich mit meinen Großeltern in einem anderen Ort bei einer Frau arbeiten, um dort Brennholz zu machen. Die Arbeit ist sehr hart, aber sie geben uns Essen, Schlafplätze und zahlen uns 50 Quetzals (ca. 5,50 €) am Tag. Das hilft uns, manches einzukaufen. Auch helfen wir dort bei der Aussaat des Maises. Wenn wir fertig sind, freue ich mich auf die Schule, weil es mir gefällt zu lernen. Ich stehe sehr früh auf, frühstücke ein paar warme Tamalitos mit einer Tasse Kaffee, packe meine Sachen für die Schule, die mir mit ihren sauberen Fluren und Klassenzimmern sehr gut gefällt. Außerdem hat sie einen großen Sportplatz, wo wir spielen können. Nur 15 Minuten muss ich zur Schule laufen. Da treffe ich mich unterwegs mit meinen Freunden und wir gehen gemeinsam zur Schule. Die deutschen Spender sind sehr freundlich zu uns, dass sie uns das alles ermöglichen.

Ich hätte gerne viele Sachen, aber wir haben nicht einmal genug Geld  für das, was wir brauchen. Am Wochenende verkaufe ich Eis in der Stadt Momo zusammen mit einem Mann, der mir 10 Quetzales (ca. 1,10 €) zahlt. Es ist nicht viel, aber ich kann Brot oder Obst kaufen, das ich mit meinen Großeltern und Cousins teile, die auch bei den Großeltern leben, weil auch sie kein Zuhause haben. Wir spielen viel zusammen. Freilich: alles reicht nicht aus, weil wir einfach zu viele sind. Meine Tanten haben fünf Kinder und wir alle wollen immer das, was der andere hat. So gibt es immer wieder Streit und Differenzen zwischen uns.